3-Minuten-Impuls von Lukas Morys

3-Minuten-Impuls

Inspiration fĂŒr moderne und effiziente Fabriken

Erscheint: 2-monatlich

Cover des 3-Minuten-Impuls von Lukas Morys zu den richtigen Fragetechniken fĂŒr den Shopfloor

3-Minuten-Impuls von Lukas Morys zu den richtigen Fragetechniken fĂŒr den Shopfloor

Alles eine Frage der Technik?

19.07.2023

Das Bild zeigt ein Portrait von Lukas Morys, CEO und Co-Founder bei Scable

Über den Autor:

Lukas Morys
CEO und Co-Founder bei Scable
Podcast-Host bei Factory21

In der Sommerausgabe meines 3-Minuten-Impuls möchte ich einer scheinbar alltĂ€glichen Sache widmen. FĂŒhrungskrĂ€fte machen es nĂ€mlich jeden Tag: Fragen stellen auf dem Shopfloor. Interessant finde ich, dass wir uns enorm viele Gedanken darĂŒber machen, WELCHE Fragen wir stellen, seltener jedoch, WIE wir Fragen stellen.

Nur wer gute Fragen stellt, bekommt die GrĂŒnde vorgestellt.

Dabei hĂ€ngen QualitĂ€t und Tiefe einer Antwort maßgeblich von der Art der Fragestellung ab. Daher möchte ich ein paar Techniken teilen, mit denen ich im Shopfloor Management gute Erfahrungen mache.

ZunÀchst geht es um die richtige Grundhaltung. Generell versuche ich, im ersten Schritt nur zu beobachten und nicht zu interpretieren. Das ist nicht immer leicht, hilft allerdings enorm in der tÀglichen Arbeit.

Der wichtige Unterschied zwischen Beobachtung und Interpretation besteht darin, dass Beobachtungen unabhÀngig feststellbare Fakten sind. Fakten können nicht unterschiedlich wahrgenommen werden. Fakten können nicht in Frage gestellt werden. Interpretationen werden hingegen von Mensch zu Mensch unterschiedlich vorgenommen. Sie sind Folgerungen oder Auslegungen von Beobachtungen, aber eben keine Fakten.

Meine Grundhaltung auf dem Shopfloor

Beobachte ich das, was ich erwarte?

Diese Frage ist einfach und gleichzeitig effektiv. Sie hilft beim neutralen Beobachten. Durch die in der Frage beschriebene Grundhaltung wird der Zustand, der passieren sollte, mit dem tatsĂ€chlichen Vorkommnissen abgeglichen. Sie spiegelt außerdem den fĂŒr die Produktion typischen Soll-Ist-Vergleich wider. UnabhĂ€ngig davon, ob es um erreichte Kennzahlen, die Einhaltung von Standards oder dem Verhalten bei Abweichungen geht, bietet diese Fragestellung gute Orientierung. Weiterhin erfordert die Fragestellung, dass eine Erwartungshaltung existiert. Das bedeutet, dass ZielzustĂ€nde – zumindest gedanklich – definiert sein mĂŒssen. Anschließend können Verbesserungsmaßnahmen definiert und umgesetzt werden.

Fragen aus der Toyota Kata

Damit ist der Grundgedanke vergleichbar mit der Toyota Kata nach Mike Rother. „Kata“ ist ein japanischer Begriff, der Übungsroutinen beschreibt, die ursprĂŒnglich im Kampfsport angewendet werden. Es geht bei Kata darum, AblĂ€ufe, sei es beispielsweise zur Verteidigung oder Angriff, so zu trainieren und zu wiederholen, dass diese vom Unterbewusstsein ausgefĂŒhrt werden können. Die Toyota Kata ist eine Übungsroutine, damit aus bewusst angestoßener Verbesserung ein alltĂ€gliches unterbewusstes Streben nach kontinuierlicher Verbesserung wird. Dazu bedient sich die Toyota Kata einer Fragetechnik, die fĂŒr den Produktionsrundgang aus fĂŒnf aufeinander aufbauenden Fragen besteht:

  1. Was ist der Zielzustand?
  2. Was ist der aktuelle Zustand?
  3. Welche Faktoren hindern dich daran, den Zielzustand zu erreichen? Welchen davon gehst du gerade an?
  4. Was ist der nÀchste Schritt, was erwartest du von ihm?
  5. Wann können wir uns vor Ort ein Bild davon machen, was wir bei diesem Schritt gelernt haben?

Die Abfolge und der Grundgedanke hinter dieser Fragetechnik eigenen sich hervorragend fĂŒr ProduktionsrundgĂ€nge und kann mit weiteren Fragetechniken kombiniert werden.

Offene Fragen

Offene Fragen sind ideal, um die HintergrĂŒnde eine Beobachtung zu erfahren. Der Grund ist einfach: sie zielen auf eine ausfĂŒhrliche Antwort oder BegrĂŒndung ab. Je mehr Informationen preisgegeben werden, desto bessern können diese zur Bewertung und Einordnung verwendet werden. Es lohnt sich deswegen „W-Fragen“ zu stellen. Diese beginnen mit Wie, Warum, Wieso oder Weshalb. Sie unterscheiden sich dadurch von geschlossenen Fragen, da geschlossene Fragen mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Geschlossene Fragen eignen sich daher zum BestĂ€tigen oder Widerlegen eines Eindrucks, allerdings weniger, um HintergrĂŒnde einer Beobachtung zu erfahren.

Machen Sie den Test:

  • Gab es gestern Probleme mit Nacharbeit?

Im Vergleich zu:

  • Was sind die HauptgrĂŒnde, die gestern Nacharbeit verursacht haben?

Zwei Ohren, ein Mund

Wird eine gute, offene Frage gestellt, sprudeln die Aussagen auf dem Shopfloor hĂ€ufig vor sich hin. Schade ist es, wenn dieser Sprudel durch vorschnelles Unterbrechen zum Erliegen kommt. Leider neigen wir sehr hĂ€ufig dazu, unsere GegenĂŒber zu unterbrechen. Das ist ist bedauerlich, da wichtige Informationen unentdeckt bleiben könnten. Eine tolle Richtschnur ist deswegen das „Zwei Ohren und einen Mund“-Prinzip. Es besagt, dass wir doppelt so viel zuhören sollen, als sprechen.

ZusĂ€tzlich kann Stille als rhetorisches Element eingesetzt werden. Erscheint Ihnen eine Antwort auf die Frage noch nicht ausreichend, schauen Sie Ihren GegenĂŒber weiterhin an und sagen Sie nichts. Er wird seine Antwort fortfĂŒhren und weitere Details nennen.

Aktiv zuhören und nachfragen

Genauso wichtig wie das Fragenstellen ist das aktive Zuhören. Aktives Zuhören hat das Ziel, dass das Gesagte auch tatsÀchlich verstanden wird. In unserer heutigen Zeit ist das schwieriger denn je. Durch die Geschwindigkeit, verbunden mit der fortwÀhrenden Erreichbarkeit, fÀllt es sehr schwer, richtig zuzuhören.

Sind wir uns dieser Problematik bewusst und möchten wir sie reduzieren, hilft im Anschluss an die Antwort folgende aktive Nachfrage:

Verstehe ich richtig, dass 
 [Zusammenfassung des Gesagten]?

Durch diese aktive Nachfrage entsteht dreifacher Nutzen:

  1. Als Zuhörender stellen Sie sicher, dass Sie die Antwort korrekt verstanden haben.
  2. Der Antwortende fĂŒhlt sich wertgeschĂ€tzt, da seine Antwort aktiv aufgenommen und zusammengefasst wurde.
  3. Der Antwortende wird nach seinem „Ja“ oder „Nein“ weitere Details zu den HintergrĂŒnden der Antwort liefern. Sie sammeln also weitere, eventuell wertvolle Informationen.

Beispiel:

„Wir mussten gestern Abend lange auf die Instandhaltung warten. Deswegen wurde hatten wir drei Stunden Ausfall und sind mengenmĂ€ĂŸig 25% in RĂŒckstand.“

„Verstehe ich richtig, dass das Warten auf die Instandhaltung 25% RĂŒckstand verursacht hat?“

„Ja. Die Instandhaltung war zwar schnell vor Ort, allerdings musste das Ersatzteil aus dem anderen Werk abgeholt werden. Und leider mussten wir die Anlage, als das Ersatzteil da war, erst noch grĂŒndlich reinigen, was die Reparaturzeit weiter verlĂ€ngert hat.“

Ich hoffe, die fĂŒnf Tipps können Sie in der ein oder anderen Situation auf dem Shopfloor unterstĂŒtzen. In einem unserer Factory21 Podcast-Episoden haben wir ebenfalls die Fragetechniken auf dem Shopfloor behandelt. Hören Sie gerne rein:

049 Fragetechniken fĂŒr den Shopfloor | Factory21 | Der Podcast fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte und Projektverantwortliche aus der Produktion
Cover des 3-Minuten-Impuls von Lukas Morys, CEO bei Scable

Lukas Morys, CEO und Co-Founder bei Scable

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