Qualitätskosten entstehen an vielen Stellen der Produktion, häufig unbemerkt. Sie zeigen, welcher Aufwand erforderlich ist, um Qualität zu sichern, Abweichungen zu erkennen oder Fehler zu beheben. Doch in der Praxis bleibt ein großer Teil dieser Kosten unsichtbar, weil Nacharbeit, Ausschuss und Prüfaufwände selten vollständig dokumentiert werden. Wer Qualitätskosten systematisch ermittelt, erkennt schnell, wo tatsächlich Verluste entstehen und wo die größten Potenziale für Stabilität und Wirtschaftlichkeit liegen.
Letzte Änderung am 19.01.2026
Qualitätskosten in der Fertigung (auch Cost of Quality oder COQ) umfassen alle Aufwände und Kosten, die entstehen, um die Produktqualität sicherzustellen, zu messen oder zu verbessern – einschließlich bereits entstandener Fehlerkosten wie Ausschuss oder Nacharbeit. Sie sind ein strategischer Steuerungsfaktor für Produktionsleiter, Qualitätsleiter und Geschäftsführende.
Man unterscheidet vier Arten von Qualitätskosten:
Zu Fehlerverhütungskosten zählen alle Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Fehler überhaupt entstehen. Sie sind Teil einer präventiven Qualitätsstrategie.
Beispiele:
Hierbei gilt: Je besser die Prävention, desto geringer die Fehlerkosten.
Unter Prüfkosten fallen alle Aufwände, die entstehen, um Qualität zu kontrollieren und Abweichungen zu erkennen. Mit anderen Worten: sie sichern die Einhaltung der Qualitätsanforderungen.
Beispiele:
Prüfkosten sind notwendig, aber zu hohe Prüfkosten sind ein Hinweis auf instabile Prozesse. Schließlich kann Qualität nicht „erprüft“ werden – es gilt, sie zu erzeugen.
Erfahren Sie, wie Sie mit dem Jidoka-Prinzip aus der Lean Production Fehler vermeiden und Qualitätskosten reduzieren.
Interne Fehlerkosten entstehen innerhalb der eigenen Fertigung, bevor das Produkt zum Kunden gelangt. Meist entstehen diese trotz Prävention und Prüfung und sind oft höher als offiziell erfasst.
Typische Aufwände:
Hinzu kommen die versteckten Fehlerfolgekosten:
Unternehmen unterschätzen interne Fehlerkosten häufig um den Faktor 3 bis 5, weil Ausschuss sowie Nacharbeit selten vollständig und Fehlerfolgekosten meist gar nicht erfasst werden
Erfahren Sie mehr über die wirtschaftliche Bedeutung Bedeutung von Fehlerkosten im Qualitätsmanagement.
Diese Fehlerkosten sind besonders kritisch, da sie auftreten, wenn Fehler beim Kunden bemerkbar werden.
Beispiele:
Externe Fehler kosten oft das Zehn- bis Hundertfache im Vergleich zu internen Fehlern.
Die Summe dieser vier Bereiche ergibt die qualitätsbezogenen Gesamtkosten eines Unternehmens.
Die systematische Erfassung, Nachverfolgung und Analyse von Qualitätskosten dienen als zentraler Feedback-Mechanismus und als Steuerungsinstrument für:
Unternehmen, die ihre Qualitätskosten kontinuierlich ermitteln, gewinnen Transparenz über ihre größten Verlustquellen und damit einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Selbst in gut organisierten Fabriken werden Fehlerkosten häufig massiv unterschätzt. Die offiziellen Qualitätskennzahlen im ERP bilden meist nur einen Teil der Realität ab. In vielen Unternehmen liegen die tatsächlichen Fehlerkosten zwei- bis dreimal höher, was Planung, OEE und Lieferfähigkeit direkt beeinträchtigt.
Typische Gründe für die Untererfassung von qualitätsbezogenen Kosten:
Das führt zu einem verzerrten Bild der Prozessstabilität und Entscheidungen, die auf fehlerhaften Daten basieren. Erst eine vollständige, digitale Qualitätsdatenerfassung ermöglicht es, Fehlerkosten realistisch zu berechnen und systematisch zu reduzieren.
Das smarte BDE von ScableOne hilft dabei, alle Qualitätsverluste gezielt aufzudecken.
Die Qualitätskosten setzen sich aus den zwei Kategorien zusammen, die alle Qualitätskosten enthalten:

Ein Hersteller von Präzisionsdrehteilen erhält eine Reklamation, da eine gelieferte Charge des Produkts 93312 nicht maßhaltig war.
| Kostenart | Beschreibung | Berechnung | Kosten |
| Intern | Reklamationsbearbeitung | 32,0 h × 62,00 EUR/h | 1.984,00 EUR |
| Intern | Maschinenzeit (Nachproduktion) | 23,0 h × 110,00 EUR/h | 2.530,00 EUR |
| Intern | Personalzeit (Nachproduktion) | 11,5 h × 48,00 EUR/h | 552,00 EUR |
| Intern | Materialverbrauch (Nachproduktion) | – | 2.450,00 EUR |
| Extern | Geforderter Preisnachlass | – | 4.000,00 EUR |
| Extern | Geforderte Frachtkosten | – | 450,00 EUR |
| 11.966,00 EUR |
Analog zum oberen Beispiel können auf diese Weise Fehlerkosten berechnet werden, die rein intern entstanden sind. Benötigt ein Produktionsauftrag beispielsweise zusätzliche Produktionsschritte, lohnt es sich, die internen Fehlerkosten nach dem gleichen Prinzip zu berechnen.
Sollen für die oben beschriebene Charge des Produkts 93312 die Qualitätskosten berechnet werden, gilt es zusätzlich zu den Fehlerkosten die Fehlerverhütungskosten sowie die Prüfkosten hinzuzurechnen.
| Kostenart | Beschreibung | Berechnung | Kosten |
| Fehlerverhütungskosten | Werkzeugbruchkontrolle | – | 1.412,00 EUR |
| Fehlerverhütungskosten | Training | 0,5 h × 48,00 EUR/h | 24,00 EUR |
| Prüfkosten | Wareneingangskontrolle | 0,2 h × 41,00 EUR/h | 8,20 EUR |
| Prüfkosten | Produktionsfreigabe (Personal) | 0,75 h × 62,00 EUR/h | 46,50 EUR |
| Prüfkosten | Produktionsfreigabe (Maschine) | 0,25 h × 250,00 EUR/h | 62,50 EUR |
| Prüfkosten | Werkerselbstprüfung | 0,5 h × 48,00 EUR/h | 24,00 EUR |
| Prüfkosten | Messmittel und Prüfsoftware (Umlage) | – | 45,00 EUR |
| Fehlerkosten | Reklamation der Charge | – | 11.966,00 EUR |
| 13.588,20 EUR |

Optimales Qualitätsniveau im Qualitätskosten-Diagramm
Ein klassisches Qualitätskosten-Diagramm zeigt:
Unternehmen, die Transparenz über Qualitätskosten schaffen, senken ihre Fehlerkosten oft innerhalb weniger Monate. ScableOne zeigt Qualitätsverluste direkt am Shopfloor, macht Abweichungen sofort sichtbar und ermöglicht faktenbasierte Entscheidungen.