3-Minuten-Impuls von Lukas Morys

3-Minuten-Impuls

Inspiration für moderne und effiziente Fabriken

Erscheint: 2-monatlich

Cover des 3-Minuten-Impulses zur KI in der Industrie

Cover des 3-Minuten-Impulses zur KI in der Industrie

KI in der Industrie: Beispiele für den wirksamen Einsatz

03.07.2026

Das Bild zeigt ein Portrait von Lukas Morys, CEO und Co-Founder bei Scable

Über den Autor:

Lukas Morys

CEO und Co-Founder bei Scable
Podcast-Host bei Factory21

Bei KI in der Produktion sprechen viele gerade von der nächsten industriellen Revolution.

Ich bin damit vorsichtig.

Was wir rückblickend als industrielle Revolution bezeichnen, wurde in den Unternehmen selten als Revolution erlebt. Es war meistens Evolution. Neue Technologien haben sich nicht deshalb durchgesetzt, weil sie auf Konferenzen, Messen oder in Strategiemeetings groß angekündigt wurden. Sie haben sich durchgesetzt, weil sie im täglichen Betrieb konkrete Probleme besser gelöst haben.

Genauso wird es auch mit KI sein.

In der Produktion kennen wir erste KI-Anwendungen schon lange. Zum Beispiel in der Bilderkennung und Qualitätssicherung. Bauteile prüfen, Fehler erkennen, Muster auswerten. Das ist konkret. Das ist greifbar.

In der Shopfloor Execution sehe ich dagegen bisher noch erstaunlich wenige wirklich konkrete Anwendungsfälle. Dabei wäre genau dort der Bedarf riesig.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht:
Was kann KI theoretisch alles?

Die entscheidende Frage lautet:
Welche operativen Probleme auf dem Shopfloor löst KI besser als bisher und wie kann KI die Effizienz in der Produktion verbessern?

Und noch eine zweite Frage ist entscheidend:
Welche Informationen soll KI eigentlich nutzen?

Viele Unternehmen sprechen über KI-Agenten, Copiloten und autonome Prozesse. Gleichzeitig werden Stillstände noch mündlich weitergegeben. Maßnahmen stehen in E-Mails. Schichtnotizen verschwinden in Excel. Verbesserungen werden auf Papier dokumentiert. Und Erfahrungswissen steckt in den Köpfen einzelner Mitarbeiter.

Das Wissen ist also oft vorhanden.

Aber es ist nicht sauber erfasst, nicht strukturiert, nicht auffindbar und nicht für den Verbesserungsprozess nutzbar.

Nehmen wir eine ganz normale Szene aus einem Shopfloor Meeting:

Ein erfahrener Mitarbeiter, nennen wir ihn Mehmet, steht bei der Schichtübergabe. Er kennt seine Anlage genau. Er war beim Stillstand dabei. Er weiß, was in der Schicht passiert ist. Vielleicht weiß er sogar, warum das Problem immer wieder auftaucht.

Aber er sagt nichts.

Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Fachlich kann er viel beitragen, aber in der schnellen Diskussion am Shopfloor ist er zurückhaltend. Nicht, weil ihm das Wissen fehlt, sondern weil er Sorge hat, etwas nicht präzise genug zu formulieren.

Das Ergebnis: Sein Wissen bleibt außen vor.

Und damit fehlt nicht irgendeine Meinung. Es fehlt möglicherweise genau die Information, die erklärt, warum der Stillstand entstanden ist und warum er morgen wieder auftreten könnte.

Genau das passiert in vielen Werken jeden Tag.

Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten gemeinsam an Anlagen, Linien und Prozessen. Aber nur ein Teil der Belegschaft wird wirklich für Shopfloor Management, tägliche Kommunikation und kontinuierliche Verbesserung gewonnen.

Damit fehlen Informationen. Ursachen bleiben unklar. Maßnahmen werden oberflächlicher. Und Probleme werden wiederholt gelöst, obwohl das Wissen im Unternehmen längst vorhanden wäre.

Für mich liegt genau hier einer der ersten wirklich praktischen Mehrwerte von Sprachmodellen in der Produktion.

Nicht als zusätzlicher Chatbot irgendwo neben dem Prozess.

Sondern direkt im Arbeitsablauf.

Ein Mitarbeiter beschreibt einen Verlust in seiner Muttersprache. Auch mit wenigen Stichworten. Die KI übersetzt, strukturiert und ergänzt die Information so, dass daraus ein verständlicher Eintrag für das Team entsteht.

ScableOne-Screenshot: Verlustmeldung oder Informationserfassung in Muttersprache

ScableOne-Screenshot: Verlustmeldung oder Informationserfassung in Muttersprache

Aus einer kurzen Beobachtung wird eine klare Maßnahme. Nicht perfekt. Nicht automatisch entschieden. Aber verständlich formuliert, einem Verantwortlichen zuweisbar und nachverfolgbar.

ScableOne-Screenshot: KI-gestützte To-do- oder Maßnahmenerstellung

ScableOne-Screenshot: KI-gestützte To-do- oder Maßnahmenerstellung

Und wenn ein ähnliches Problem später erneut auftritt, muss das Team nicht wieder bei null beginnen. Die KI kann in der Historie nach ähnlichen Verlusten, Ursachen und Maßnahmen suchen – auch dann, wenn damals andere Begriffe verwendet wurden.

Der eigentliche Mehrwert entsteht dabei nicht durch das Sprachmodell selbst. Entscheidend ist, dass Produktionswissen überhaupt digital erfasst und strukturiert vorliegt. Erst dann kann die KI daraus sinnvolle Unterstützung ableiten.

ScableOne-Screenshot: KI-Suche in Verlusthistorie / Produktionswissen

ScableOne-Screenshot: KI-Suche in Verlusthistorie / Produktionswissen

Das klingt weniger spektakulär als autonome Agenten oder die Dark Factory.

Aber es löst echte Probleme.

Schichtübergaben werden belastbarer. Ursachen werden schneller eingegrenzt. Maßnahmen werden klarer formuliert. Wiederholprobleme werden früher erkannt. Und mehr Mitarbeiter können ihr Wissen in den Verbesserungsprozess einbringen.

Wichtig ist dabei: Die KI entscheidet nicht selbst.

Sie übersetzt, strukturiert, formuliert und findet wieder.

Die Bewertung bleibt beim Menschen.

Gerade für die IT ist das entscheidend. KI darf keine Schattenlösung neben den bestehenden Prozessen sein. Sie muss in die Datenbasis, Berechtigungen und Arbeitsabläufe integriert sein. Sonst entsteht nur das nächste Tool neben Excel-Makros, E-Mail-Verläufen und Papierzetteln.

Deshalb glaube ich: KI in der Shopfloor Execution bedeutet nicht, dass der Mensch ersetzt wird. Es bedeutet, dass mehr Menschen wirksam beteiligt werden.

Bessere Informationen werden erfasst.
Wissen wird auffindbar.
Kommunikation wird einfacher.
Und Probleme werden effektiver gelöst.

Selbst wenn es irgendwann eine weitgehend autonome Fabrik, eine sogenannte Dark Factory, geben sollte – woran ich persönlich nicht glaube –, müssten alle relevanten Einflussfaktoren erst einmal erfassbar sein.

Heute scheitern wir aber oft schon daran, das Wissen der eigenen Mitarbeiter systematisch aufzunehmen und für den KVP nutzbar zu machen.

Genau daran haben wir mit den KI-Funktionen in ScableOne gearbeitet. Uns geht es dabei nicht um die große KI-Vision für Fabriken, die oft theoretische Zukunftsszenarien bleiben. Uns geht es darum, im stressigen Shopfloor-Alltag für Orientierung und Zeitersparnis zu sorgen.

Wir konzentrieren uns deshalb auf konkrete Funktionen für den heutigen Shopfloor: Verluste in der Muttersprache erfassen, Maßnahmen verständlicher erstellen und vorhandenes Produktionswissen besser nutzen.

Denn am Ende wird sich KI in der Produktion nicht durch große Begriffe oder spektakuläre Visionen durchsetzen. Sondern weil sie den Shopfloor-Alltag einfacher macht, Informationen besser nutzbar macht und Menschen dabei unterstützt, Probleme schneller und nachhaltiger zu lösen.

Genau dafür haben wir die KI-Funktionen in ScableOne entwickelt. Auf einer eigenen Seite zeigen wir anhand konkreter Anwendungsfälle, wie sie Produktion, Werkerführung und Instandhaltung im täglichen Betrieb unterstützen.


KI-Funktionen für den Shopfloor

Sehen Sie anhand konkreter Anwendungsfälle, wie die KI-Funktionen in ScableOne Produktion, Werkerführung und Instandhaltung im täglichen Betrieb unterstützen.

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